Beim Transport sensibler Produkte wie Lebensmittel ist die Zertifizierung nach IFS Logistics v3 ein weltweites Synonym für Qualität. Dieser Standard legt Anforderungen an das Produktsicherheitsmanagement in der Lieferkette fest, was unerlässlich ist, um höchste Zuverlässigkeit sowie die Einhaltung der strengen IFS-Protokolle zu gewährleisten.
Was ist IFS Logistics
und warum ist es für die Logistik entscheidend?
IFS Logistics ist ein globaler Standard für die Auditierung von Logistikdienstleistungen, der in erster Linie zur Überwachung von Verfahren im Zusammenhang mit Transport sowie Be- und Entladung angewendet wird. Er umfasst auch die Lagerung, in der Praxis betrifft dies jedoch häufiger Produktionsunternehmen als Frachtführer oder Speditionen selbst. Die temperaturgeführte Lagerung von Waren stellt ein eigenständiges logistisches Thema dar.
Der Standard konzentriert sich auf Aktivitäten im Zusammenhang mit der Qualität und Sicherheit von Lebensmitteln und Non-Food-Produkten, die unter geschlossenen Bedingungen, d. h. in Verpackungen oder auf Paletten, transportiert werden. Es ist anzumerken, dass der Transport von Schüttgütern wie beispielsweise Getreide nicht in dieses Transportmodell passt – dies ist der Bereich des separaten GMP+-Zertifikats.
Der Standard IFS Logistics deckt verschiedene Transportarten ab, einschließlich des Straßenverkehrs, und bezieht sich auf tiefgekühlte, gekühlte oder bei Umgebungstemperatur stabile Produkte. Er ist außerdem mit zusätzlichen unterstützenden Dokumenten verknüpft, wie z. B. der IFS Logistics Multi-site Guideline. Das Hauptziel des IFS-Standards ist das Streben nach dem bestmöglichen Managementsystem für Produktsicherheit, damit Endverbraucher den gelieferten Waren vertrauen können.
Version 3:
Kontinuierliche Verbesserung und neue Auditanforderungen
IFS Logistics Version 3 (veröffentlicht im Dezember 2023) implementiert das einheitliche IFS-Bewertungssystem. Dieses System soll die kontinuierliche Verbesserung in den auditierten Unternehmen unterstützen. Die IFS-Bewertung gibt Unternehmen und ihren Kunden einen klaren Einblick in die erzielten Ergebnisse.
Der Standard zielt darauf ab, die Effizienz zu verbessern, sicherere Produkte und Prozesse zu gewährleisten sowie die Anzahl der Rückrufe (Recalls) zu verringern.
Die Rolle
des systematischen Risikomanagements
Die Grundlage des Produktsicherheitsmanagementsystems muss ein vollständig implementiertes, systematisches und dokumentiertes Risikomanagementsystem sein. Bei Lebensmitteln muss dies ein HACCP-System auf Basis der Prinzipien des Codex Alimentarius sein.
Das Sicherheitsmanagementsystem muss alle Produktgruppen und Logistikprozesse abdecken. Dies betrifft sämtliche Phasen vom Wareneingang bis zum Versand und zur Lieferung.
Auditprotokoll PPA
(Product and Process Approach)
Ein Schlüsselelement bei der Durchführung eines IFS Logistics Audits ist die application des PPA-Ansatzes (Product and Process Approach). Der Auditor muss einen Auditpfad (Audit Trail) anwenden, der auf einer risikobasierten Probenahme von Produkten beruht. An der entnommenen Produktprobe muss ein Rückverfolgbarkeitstest (Traceability Test) durchgeführt werden.
Mindestens 50 % der gesamten Dauer des IFS-Audits müssen für die praktische Vor-Ort-Bewertung (On-site Evaluation) in den Arbeitsbereichen vorgesehen werden. Diese Zeitaufteilung ermöglicht es dem Auditor, die Dienstleistungen und die Produktpalette umfassend zu überprüfen.
KO-Anforderungen (Knock-Out):
Grundlegende Sicherheitsprinzipien
IFS Logistics enthält sechs spezifische Anforderungen, die als KO (Knock-Out) bezeichnet werden. Dies sind Schlüsselelemente, deren Nichterfüllung während des Audits bedeutet, dass das Zertifikat nicht erlangt werden kann.
Wird ein Verstoß gegen eine KO-Anforderung festgestellt (Bewertung D), darf das IFS-Zertifikat nicht ausgestellt werden. Handelt es sich um ein Rezertifizierungsaudit, muss das aktuelle IFS-Zertifikat innerhalb von maximal zwei Arbeitstagen aus der Datenbank zurückgezogen werden. Die KO-Anforderungen bilden die Essenz der Umsetzung des Standards und umfassen:
Verantwortung der Unternehmensleitung (KO 1):
Bereitstellung der erforderlichen Ressourcen und Investitionen für die Sicherheit und Legalität des Produkts.Produktsicherheitsmanagementsystem (KO 2):
Vollständig implementiertes, systematisches und dokumentiertes Risikomanagementsystem.Überwachung von CCP (KO 3):
System zur Überwachung jedes kritischen Kontrollpunkts (CCP) mit klar definierten Grenzwerten und entsprechender Dokumentation.Kundenverträge (KO 4):
Einhaltung von Kundenvereinbarungen hinsichtlich Produkt, Prozess, technologischer Anforderungen und Verpackung.Interne Audits (KO 5):
Dokumentation und Umsetzung eines wirksamen internen Auditprogramms, das in einem 12-Monats-Zyklus geplant wird.Korrekturmaßnahmen (KO 6):
Verfahren zum Management von Korrekturmaßnahmen, um die Ursachen von Abweichungen zu beseitigen und deren erneutes Auftreten zu vermeiden.
Praxisteil:
Überprüfung der Schlüsselprozesse vor dem IFS-Audit
Die richtige Vorbereitung auf das Audit nach IFS Logistics v3 erfordert die Konzentration sowohl auf die Dokumentation als auch auf die praktische Umsetzung der Abläufe. Auditoren konzentrieren sich auf die Überprüfung von Fakten und objektiven Nachweisen.
Die folgende operative Checkliste zeigt auf, welche Elemente des Systems IFS Logistics überprüft und dokumentiert werden sollten, um das Audit erfolgreich zu bestehen.
Kritische Kontrollpunkte und operative Maßnahmen
Übersicht über die Anforderungen an Rückverfolgbarkeit, Wareneingang, Hygiene und Dokumentenmanagement gemäß Qualitätsstandards.
| Kritischer Bereich | Erforderliche operative Maßnahmen | Erforderlicher Nachweis | Risiko / Konsequenzen |
|---|---|---|---|
| Rückverfolgbarkeit | Implementierung eines Systems zur vollständigen Rückverfolgbarkeit von Waren und Mengen in der gesamten Lieferkette. | Rückverfolgbarkeitstests (Massenbilanzen), Dokumentation von Rohstoffen und Vertrieb. | Mangelnde Rückverfolgbarkeit führt zu Abweichungen und Schwierigkeiten bei einem Produktrückruf. |
| Wareneingang | Kontrolle der Übereinstimmung von Lieferungen mit der Bestellung und dem risikobasierten Überwachungsplan. | Aufzeichnungen der Wareneingangsprüfung, Temperaturmessungen, Fotos sowie Entscheidungen über Annahme oder Ablehnung der Ware. | Risiko der Annahme nicht konformer, beschädigter oder kontaminierter Produkte. |
| Zustand von Fahrzeugen und Containern | Kontrolle auf Sauberkeit, Temperatur, Fremdkörper und Schädlinge vor der Verladung. | Checklisten vor der Verladung, Fotos, Temperaturaufzeichnungen (bei Kühlfahrzeugen). | Verlust der Temperaturkontrolle, Kontamination oder Kreuzkontamination – Major / KO. |
| Hygiene und Desinfektion | Reinigungs- und Desinfektionspläne auf Basis einer Risikoanalyse sowie Wirksamkeitsprüfung. | Visuelle Inspektionen, Schnelltests, Aufzeichnungen über die Durchführung und Freigabe von Reinigungsprozessen. | Kreuzkontamination, insbesondere zwischen Food- und Non-Food-Produkten. |
| Aufzeichnungsmanagement | Aufzeichnungen müssen vollständig, lesbar und vor nachträglichen Änderungen geschützt sein. | Archivierung gemäß gesetzlichen und kundenbezogenen Anforderungen – mindestens 1 Jahr nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums. | Fehlende Konformitätsnachweise → Ablehnung im Audit, Unmöglichkeit der Prozessrekonstruktion. |
| Schädlingsbekämpfung | Risikobasiertes und den lokalen Vorschriften entsprechendes Schädlingsbekämpfungssystem. | Fallenplan, Kontrollplan, Häufigkeiten, Berichte und Verantwortlichkeiten. | Kontamination oder Beschädigung des Produkts durch Schädlinge. |
Zusammenfassung
IFS Logistics v3 is ein globaler Standard, der für Unternehmen, die sich auf die Logistik sensibler Produkte spezialisiert haben, von entscheidender Bedeutung ist. Dieser Standard erfordert, dass Unternehmen ein solides, systematisches und risikobasiertes Sicherheitsmanagementsystem implementieren. Die Nichterfüllung einer der sechs KO-Anforderungen (Knock-Out) macht eine Zertifizierung unmöglich.
Während des IFS-Audits werden mindestens 50 % der Auditzeit für die praktische Inspektion verwendet, bei der die Rückverfolgbarkeit sowie die tatsächliche Umsetzung von Verfahren überprüft werden. Der gesamte Zertifizierungsprozess zielt darauf ab, eine kontinuierliche Verbesserung in der Lieferkette zu erreichen und dauerhaft aufrechtzuerhalten.
Wenn Ihr Unternehmen einen Partner sucht, der die Einhaltung des IFS Logistics v3 beim Kühltransport garantiert, kontaktieren Sie uns gerne. Unser Team hilft Ihnen dabei, die passende Dienstleistung für Ihre spezifischen Anforderungen auszuwählen, und sorgt für volle Transparenz in allen Prozessen.




